Der Weg der Schafe



















Ich, Stefan Rose, ziehe mit meinen 1.235 Schafen von der Sommerweide in Norddeich zu der ca. 300 Kilometer entfernten Winterweide in der Nähe von Walsrode, weil ich

  • mir aufgrund der gestiegenen Kosten in der Schafhaltung diesen Transport durch einen LKW nicht mehr leisten kann und
  • ich mit diesem Marsch dagegen protestiere, dass man die Schafhalter zu einem Kennzeichnungs- und Registrierungswahnsinn zwingt, der über das erforderliche Maß hinaus geht, Tierschutzprobleme hervorruft und auch noch erhebliche Kosten verursacht.


Zu meinem Betrieb:
Ich bewirtschafte mit meiner Frau Chantal, unseren beiden Kindern und meinem Mitarbeiter Thilo eine Schafhaltung mit 1.300 Schafen und pflege so insgesamt ca. 180 ha Weidefläche.


Die Wanderung von der Sommerweide begann am 21.10.2009 in Nord-deich und wird voraussichtlich am 16. oder 17.11.2009 in Walsrode enden. Im Durchschnitt schaffen wir etwa 14 Kilometer pro Tag.

 

Wogegen ich mit dem Marsch protestiere:
Ich protestiere gegen die Beschlüsse der EU-Kommission und dort gegen Kommissarin Vassiliou, gegen die ausbleibenden Aktivitäten unserer Bundesministerin Aigner sowie unseres Landesministers Ehlen, die uns alle mit diesen Problemen bislang letztendlich tatenlos alleine lassen.


Wenn wir eine derartige Gleichgültigkeit bei der Betreuung unserer Schaf-haltung an den Tag legen würden, wäre es um die Schafe schlecht be-stellt.

  • Wir wehren uns dagegen, dass wir bereits seit Jahren eine Einzeltier-kennzeichnung vornehmen müssen und ab dem 01.01.2010 sogar die Kennzeichnung elektronisch erfolgen soll. Dann haben wir nicht nur zwei Ohrmarken bei den Schafen einzuziehen, von denen immer wie-der einige beim Einsatz der Schafe in der Landschaftspflege ausgeris-sen werden. Nein, dann muss eine der Ohrmarken sogar mit einem Mikrochip versehen sein und die Kosten steigen von 50 Cent auf 2 Euro. Anstatt Chipohrmarke können wir auch einen Bolus – einen kleinen Keramikstift mit diesem Mikrochip – in den Magen des Schafes über eine Schlundsonde verabreichen. Was für ein Stress für die Tiere!
  • Darüber hinaus soll ab 01.01.2010 jedes einzelne Tier in einem Regis-ter erfasst und jede einzelne Tierbewegung eingetragen werden.

 


Das können und wollen wir nicht hinnehmen! Wir wollen es wieder so, wie es noch vor wenigen Jahren war; d. h.:

  1. Kennzeichnen aller Tiere und nicht nur der Schlachtlämmer erst, wenn diese den Eigentümer verlassen.
  2. Kennzeichnung mit der bekannten „Bestandsohrmarke“, so wie es für Schlachtlämmer zulässig ist.

Was sind die Vorteile?

  • Mit der „Bestandsohrmarke“ kann ich sofort erkennen, aus welchem Landkreis das Schaf stammt und ebenfalls aus welchem Betrieb. Bei der jetzigen Einzeltierkennzeichnung muss man in eine zentrale Daten-bank schauen, um den Eigentümer zu ermitteln.
  • Eine Kennzeichnung zum Zeitpunkt des Eigentumswechsels hat den unschlagbaren Vorteil, dass sich die Tiere in dieser Zeit nicht die Ohr-marken ausreißen und unnötig verletzen.
  • Zu bedenken ist, dass diese Bestandskennzeichnung in der Schweine-haltung und auch bei den Schlachtlämmern erfolgreich angewandt wird; also warum nicht generell?


Für mich ist nicht einsehbar, dass diese übertriebene Kennzeichnungsbürokratie eingeführt wird. Nur weil im Vereinigten Königreich vor einigen Jah-ren Maul- und Klauenseuche ausbrach, da dort das ansonsten erfolgreiche Bestandskennzeichnungssystem einmal nicht richtig angewandt und kon-trolliert wurde; kein Grund alle Schafhalter in Europa zu bestrafen!


Doch das ist nur eines der Probleme, mit denen wir als Schafhalter zu kämpfen haben!


Wir haben so viel Verwaltungsbürokratie zu beachten, so viele Auflagen zu erfüllen, dass wir kaum noch junge Schäfer finden, die in diesen Beruf einsteigen wollen.

 

Was ist mein Plan:
Wir wollen gemeinsam mit unserem Dachverband, der Vereinigung Deut-scher Landesschafzuchtverbände e. V. (VDL) gegen diesen bürokratischen Wahnsinn kämpfen und eine Klage im Eilverfahren gegen den Kennzeich-nungswahnsinn beim Europäischen Gerichtshof einreichen. Es eilt!


Dreimal haben wir in diesem Jahr protestiert; in Luxemburg am 22.06.2009, in Stuttgart am 01.07.2009 und in Eisleben am 18.09.2009. Es fanden wichtige Gespräche statt und es wurden wichtige Beschlüsse von den Agrarministern gefasst.


Doch geschehen ist nichts! Wir fühlen uns alleine gelassen, weil in anderen Bereichen, wie z. B. der Automobilindustrie und dem Milchsektor, die Bun-desregierung viel besser den Betroffenen zur Seite steht wie den Schafhal-tern!


Wie können Sie helfen:
Sie können uns und damit die Schafhaltung insgesamt unterstützen

  • durch eine Spende bei dem Klageverfahren vor dem Europäischen Ge-richtshof; Konto der VDL, Ausschuss „Berufsschäfer“
    (Kto. 1 005 291 222, BLZ 120 300 00, DKB),
  • durch Ihren wiederholten Genuss von heimischem Lammfleisch. Dies ist ein direkten Beitrag zur Unterstützung der Schafhaltung und damit indirekt der Landschaftspflege mit Schafen.


Lammfleisch in allen Zuschnitten u. verschiedenste Wurstvariationen können Sie auch auf unserem Hof kaufen.
Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
(am besten vorher bereits telefonisch bestellen!)


Stefan Rose, Grethemer Hauptstr. 29, 29690 Grethem;
Tel. 0173 8206364


Wir Schafhalter freuen uns, wenn Sie uns nicht nur mit Freude beobachten, sondern auch unterstützen würden. Sonst gibt es uns bald nur noch auf Postkarten.

Ihr Stefan Rose


Weitere Kontaktadressen:
Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e. V. (VDL),
Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin; Tel.: 030 31904-540, Fax: 030 31904-549,
www.schafe-sind-toll.de

 

 

Flyer_Schaefermarsch_Rose_Stand_05.11.09.pdf   454 K