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Die Brutalität der Blauzungenkrankheit - einmal anders betrachtet10. Oktober 2007
Heidschnuckenhof Viesteg
Liebes Team : Hier einmal die Blauzunge aus Sicht der Tiere, geschrieben von unserer Tochter Sabine (20) nachdem sie mit ihrem Bruder und ihrem Freund einen erstickenden Jungbock erlösen musste. Info zu uns : 140 Heidschnucken, davon ca. 80 erkrankt, davon bisher 36 qualvoll verendet.
Schmerzen
Heute scheint die Sonne, das ist toll. Mal schauen was die anderen machen. Oh, meine Brüder haben wieder einen Machtkampf, das macht Spaß, ich glaub ich werd mal mit machen. Oh ja, das war lustig, das hat Spaß gemacht, jetzt geh ich mal zu meiner Mama zurück, ich hab Durst und bei Mama schmeckt es am besten!!! Ja, so sieht mein ganzes Schafsleben aus. Ich steh morgens auf und wecke meine Mama, damit ich was trinken kann, Mama ist nie böse sie liebt mich. Dann geh ich etwas mit meinen Geschwistern spielen und ärgere meine Tanten. Ein tolles Leben. Nur irgendetwas ist hier in letzter Zeit komisch geworden, Mama weiß auch nicht was los ist! Andauernd kommt eines von meinen Geschwistern oder eine Tante zu mir und sie jammern sie hätten so Gliederschmerzen und könnten nicht fressen, weil ihnen der Mund so weh tut. Dann humpeln sie noch ein bisschen über unsere Wiese. Kurze Zeit später kommen diese Menschen und holen immer diejenigen weg, die Schmerzen haben. Ich weiß nicht wo sie hinkommen, manchmal höre ich sie noch rufen, ich glaube ihnen geht es gut!? Meinen Zwillingsbruder habe ich nie wieder gehört, ich weiß nicht wo er ist. Manchmal kommen komische Geräusche hier auf der Wiese an. Wie Schüsse. Unser Leben ist komisch geworden, unsere Familie ist zerrissen! Viele meiner Geschwister haben keine Mama mehr, vielen Müttern haben sie die Kinder weggeholt. Meinen Papa habe ich seit vielen Tagen nicht gesehen, aber manchmal höre ich ihn noch! Naja, meine Mama ist ja noch bei mir, ich glaube ich schlafe jetzt.
Oh man, ich hab so schlecht geschlafen, naja, wo ist Mama? Ich habe durst. Ach dahinten steht sie, ich geh mal zu ihr. Aua, oh nein, was ist denn jetzt los? Ich kann gar nicht aufstehen, Mama, komm bitte! Ich hab so durst Mama aber ich kann gar nicht richtig trinken, mein Mund tut so weh. Da kommen schon die Menschen und sie haben den grauen Hund mit, wen sie jetzt wohl holen wollen? Oh nein, der Hund kommt zu mir, Mama wo bist du? Jetzt haben sie mich gleich, ich kann nicht weg laufen, meine Beine tun so weh. Jetzt haben sie mich, Mama, Mama hilf mir doch. Ich komme auf den Hänger, bei meinem letzten Blick auf die Wiese, sehe ich wie Mama weint, ich rufe noch, ich komm bestimmt bald wieder. Wir fahren los. Ah, ich weiß wo wir sind, an dem Stall da sind ja auch noch ein paar andere, die sehen ja total abgemagert aus, bekommen die hier kein Futter? Hallo Tante, wie geht es dir? Mir tun jetzt auch die Beine und der Mund weh, wo ist mein Bruder, wo sind die anderen? Meine Tante hatte es schwer den Kopf zu heben und mich anzuschauen! Sie sagte nur langsam, dass sie jetzt an einem anderen Ort seien, wo es viel mehr Gras gibt wie hier und sie ginge vielleicht auch bald dahin.
Meine Schmerzen werden stärker, ich kann nicht mehr laufen. Ich bekomme keine Luft mehr, ich versuche zu trinken, doch es geht nicht, ich brauch Hilfe. Da kommen auch noch die Menschen, es ist mir auch egal, ich habe so Schmerzen. Sie holen mich vor den Stall, ich kann nicht mehr, ich kann mich nicht wehren. Ich will zu meiner Mama, ich habe Angst. Aus en Augenwinkeln sehe ich wie der Mensch zu mir kommt, ich habe so schmerzen, es ist mir egal. Irgendetwas ist an meinem Kopf, die Menschen weinen, irgend etwas über mir knallt, die Menschen und die Dinge um mich herum verschwinden langsam. Meine Schmerzen hören auf, ich kann wieder atmen! Die Menschen sind gar nicht böse, mit dem knall haben sie meine Schmerzen weg gemacht. Aber wo bin ich jetzt? Da, mein Bruder. Wo sind wir? Er sagt: Wir sind an einem schönen Ort, wo es keine Schmerzen gibt und so ganz viel saftiges Futter ist. Ich frage ihn ob Mama auch hier ist? Er antwortet: Noch nicht, vielleicht kommt sie bald, vielleicht in ein paar Jahren, aber sie kommt. Und wenn du ganz fest an sie denkst, siehst du sie unter dir! Da kommt der Rest, alle aus meiner Familie die weg waren! Keiner hat mehr Schmerzen, alle sehen gut aus! Wäre Mama nur hier! Ich vermisse sie!!!!
Sabine Viesteg, 13. September 2007
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